Johannes Gervé
Johannes Gervé ist 1965 in Karlsruhe geboren.
Mit 19 Jahren beginnt er das Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, das er nach sieben Jahren als Meisterschüler von Professor Klaus Arnold abschließt.
Seit 1991 ist er als freischaffender Maler tätig.
Sein Arbeits- und Lebensmittelpunkt ist Karlsruhe.
Doch zieht es ihn immer wieder in die Ferne, um Neues zu entdecken oder um Bekanntes neu zu sehen. Reisen durch Europa, nach Asien, Lateinamerika und Afrika sowie Segeltörns als Skipper im Mittelmeerraum sind Anlass für die Motive und Stimmungen seiner „Reisebilder“.
Johannes Gervé - Seestücke
Das Meer – unendliche Weiten, die regelmäßige Wiederkehr der Gezeiten, das an- und abschwellende Rauschen, wenn sich die Gischt am Strand bricht, die Wolken und die erfrischende Luft – wir alle kennen die wunderbaren Stimmungen am Meer und lassen uns gerne darauf ein. Seelandschaften haben wir hier vor uns, mit wunderbarer Leichtigkeit und Luzidität wiedergegeben, flirrend vor Licht, im Dunst des Frühnebels gebadet oder rabenschwarz wie die Nacht. Wolkentürme gibt es da zu sehen, die träge über Land ziehen und die Behausungen der Menschen am Rand des Meeres, die sich wie aus Farbflecken gebaut organisieren.
Das ist also das Thema von Johannes Gervés Arbeiten: Natur und das Konstrukt Landschaft, das der Mensch aus der Natur macht, der gewählte Naturausschnitt eben. Gervé ist keiner, der die Landschaft im Atelier idealisch neu erfindet. Er ist ein Mensch, der in die Natur hinausgeht, am liebsten raus aufs Meer, als Segler die Welt bereist und malt, was er da sieht, allerdings mit seinen Augen und seinen Vorstellungen von der Welt. Leute die die Meere befahren sind meist sehr eigene Menschen mit festen Vorstellungen und Zielen und unser Maler macht da keine Ausnahme. Ruhe und Bedächtigkeit gehören zum Rüstzeug des Seefahrers, aber auch das Zupacken-Können, die schnelle Entscheidung und vor allem ein Vorausschauen, ein sechster Sinn für das, was gleich passieren wird. Gervé erlebt die Natur hautnah, macht Skizzen und memoriert Bilder im Kopf, die er dann später im Atelier umsetzt. Derweil haben die Bilder Zeit, sich zu entwickeln, zu verändern, sich zu verabstrahieren. Und so beschränken sich die dabei entstehenden Bilder auf das Wesentliche: die Eindrücke und Empfindungen, aber auch das Gerüst der äußeren Gegebenheiten, die im Gedächtnis geblieben sind, und das geschieht auf der Leinwand oder dem Papier mit atemberaubender Prägnanz.
Am pointiertesten und augenfälligsten sind hier die beiden Nachtbilder, „Dodekanes Nacht“ und „Fähre“. Beim ersten die Ahnung eines Ortes, charakterisiert durch verwaschenes Licht in den Häusern auf einer der Inseln in der Ägäis, beim zweiten eine große schwarze Fläche, darin ein weißer Fleck mit gelben Tupfen. Allerdings, beim näheren Hinsehen, ist das Schwarz nicht schwarz; die farbige Untermalung scheint vor, gibt dem Schwarz Tiefe und man erahnt die Wolken am nächtlichen Himmel. Jeder sieht sofort, was hier gemeint ist: ein Schiff auf dem nächtlichen Meer. Völlig entgrenzt scheint diese gewaltige, dunkle Fläche zu sein, klein das Schiff, mit seiner Beleuchtung der Nacht trotzend, und das alles von schräg oben gesehen. Dies ist die Perspektive, die Johannes Gervé bevorzugt: der Blick geht von oben auf das Objekt respektive die Landschaft, man behält den Überblick auch als Betrachter und eine gewisse Distanz. Diese Distanz, der Blick aus dem Ausguck, lässt einen die Weite erfahren, die dem Erdenbewohner sonst nur aus dem Flugzeug oder vom Bergesgipfel zuteil wird. Dann die gewaltige Leinwand „Seestück Cascais“ mit den durch die Wolken brechenden Sonnenstrahlen; ein Bild von beinahe religiöser Andacht vor der Natur.
Der Maler kann aber auch anders. Auf weiteren Bildern sehen wir einen extrem niedrigen Horizont; ein schier endloser Himmel baut sich über Land und Meer auf. Bleigrau verhangen, durch Wolkenformationen strukturiert und vor allem bestimmt durch das Licht, lassen die Bilder uns das Herz aufgehen oder die Brust enger werden, je nachdem. Ein leichter Dunst scheint über vielen dieser Ansichten zu liegen, eine beinahe greifbare Atmosphäre von hoher Dichte, die den Betrachter mit einfängt. Ein starker Tiefenzug in den Himmel hinein begleitet die Bilder, die trotz eines strengen, beinahe tektonischen Bildaufbaus leicht und transparent erscheinen. Licht, Schatten und Luft schaffen eine dichte Atmosphäre im Bild, die die Landschaft einbindet und trotz eines hohen Abstraktionsgrades Einzelheiten suggeriert, die tatsächlich gar nicht da sind oder nur in malerischen Kürzeln, in einem kleinen Pinselstrich angedeutet werden. Leicht sind wir abgelenkt durch solche Dinge, die uns die Seherfahrung gelehrt hat. Wir möchten Häuser und Boote erkennen, dabei übersehen wir leicht, dass es vielleicht doch eher die Wolken sind, die das Interesse des Malers geweckt haben. Ganz oft sind es eigentlich Wolkenlandschaften, nur haben wir es bislang nicht gemerkt. Und was für grandiose Wolkenberge gibt es da! Alle Formen können diese annehmen – von beschaulich bis zu bedrohlich, wild bewegt und majestätisch dahinschwimmend.
Wenn wir uns wie der Maler einmal Zeit nehmen würden und einfach den Gang der Wolken beobachteten, was könnten wir da alles entdecken. Gervé nimmt sich diese Zeit und Zeit ist auch ein wesentlicher Aspekt in seinen Bildern. Zeitlos scheinen sie zu sein in unserer hektischen Welt, dabei speichern sie die Zeit einfach – die Zeit, die es gebraucht hat, das alles zu sehen und zu verarbeiten, und, glauben Sie mir, das geht nicht so rasch.
Wenn die großen Arbeiten den Betrachter förmlich in sich hineinsaugen, sollten wir insbesondere auch den kleinen Bildern unsere Aufmerksamkeit widmen. Ganz besonders beeindruckend die Regenlandschaften, bei denen man unwillkürlich den Kragen hochstellt um nichts abzubekommen. Gervé besitzt ein untrügliches Gespür für solche Stimmungen und trifft sie mit einer Präzision, die von seiner Sehgenauigkeit und großer Erfahrung spricht. Aber auch die anderen kleinen Seestücke, ursprünglich als Skizzen für größere Arbeiten gedacht, und die sich dann doch eigenständig entwickelt haben, zeigen die künstlerische Bandbreite des Malers. Oder die Feuerwerke – da kommt eine anarchische Formensprache ins Spiel, eine Freude an der Farben- und Formenvielfalt, die das Dunkel durchbricht.
Und schließlich wären noch die Siebdrucke zu erwähnen, aufwendig Farbe für Farbe in vielen Arbeitsschritten gedruckt, die eine eigenständige Formensprache ausbilden, da sie nur mit Flächen arbeiten und ohne Grauwerte auskommen müssen. Sie enthüllen damit ihr tragendes Gerüst, vermitteln aber auch ihre äußere Erscheinung in einer klaren Gliederung. Lissabon und Buenos Aires sehen wir, Städte am Meer, die durch ihre Weltläufigkeit und den Handel geprägt sind. Impressionen sind das, aber auch mehr, weil diese Blätter in die Tiefe gehen und nicht an der Oberfläche Halt machen und eine willkommene Ergänzung zur Malerei ist.
Und dies zeichnet die Malerei Johannes Gervés aus: Die Sicht hinter, bzw. in die Dinge hinein, die Einfühlung in vernetzte Strukturen, in Bindekräfte, die Himmel und Erde, Wasser und Wolken zusammenführen. In einer grandiosen malerischen Umsetzung lässt uns der Maler an seinen Erfahrungen teilnehmen und sorgt dafür, dass seine Bilder noch lange auf der Netzhaut nachwirken.
Martin Stather, Eröffnungsrede „Neue Romantik Seestücke von Johannes Gervé“ am 28.2.2010
Einzelausstellungen
| 2010 | Museum Schloss Ettlingen, (Katalog, Seestücke) |
| art Karlsruhe, Museum Ettlingen | |
| Galerie Molitoris, Hamburg | |
| 2009 | art Bodensee, Galerie Wesner Konstanz2009art Karlsruhe, Galerie Bode |
| Galerie Muelder-Bruns, Heidelberg | |
| 2008 | Städtische Galerie Villa Streccius, Landau (Katalog, Buenos Aires) |
| art Karlsruhe, Galerie Bode2008art Bodensee, Galerie Wesner Konstanz | |
| Galerie Bode, Karlsruhe | |
| 2007 | art Karlsruhe, Galerie Janzen, Majolika Karlsruhe |
| Galerie Janzen, Wuppertal | |
| Galerie Niesters, Speyer | |
| Majolika Karlsruhe mit Franziska Schemel | |
| 2006 | art Karlsruhe, Galerie Janzen |
| Kunstverein Sulzfeld | |
| Galerie Bode, Karlsruhe | |
| Mannheimer Kunstverein (Katalog, Landschaften) | |
| 2005 | 57. Jahrestagung der DGU, CCD. Congress Center Düsseldorf mit Stefan Kunze |
| 2004 | Galerie SWR, Baden-Baden (Katalog, Arbeiten auf Papier) |
| 2003 | Galerie Peter Fischinger, Stuttgart |
| Galerie Steiner, Schloss Gondelsheim | |
| 2002 | Galerie Meyer, Lüneburg |
| 2001 | Galerie 10, Karlsruhe |
| 2000 | Galerie Peter Fischinger, Stuttgart (Katalog) |
Ankäufe/Sammlungen
| Städtische Galerie Karlsruhe | |
| Museum Schloss Ettlingen | |
| Regierungspräsidium Stuttgart | |
| Regierungspräsidium Karlsruhe | |
| Kunstsammlung EnBW Karlsruhe | |
| Kunstsammlung Sparkasse Calw | |
| Städtische Sammlung Bühl | |
| Kunstsammlung BBBank | |
| Sammlung Würth |
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