Georg Molitoris

AUF AUGENHÖHE

Die Kinderportraits des Malers Hieronymus Proske


Der Künstler Hieronymus Proske malt Kinderportraits. Er tut dies auf sehr einfühlsame Weise: Einerseits versucht er in die Bilder die verschiedenen kindlichen Charaktere so einzubringen, dass man das Individuum dahinter erkennt, andererseits findet der Maler auch eine formale Eigenständigkeit in jedem einzelnen Portrait.

Der vormaligen Darstellung von kindlicher Idylle und Geborgenheit steht heute eine andere existentielle Wesen- und Wahrhaftigkeit gegenüber.
Hieronymus Proske malt Kinderköpfe, die heiter, verletzt, unbefangen oder trotzig, ausgelassen oder verschlossen sind.
Die sich ihrer Identität noch ungewissen Kinder, bergen den suchenden, neugierigen Blick in die Zukunft. Proske will mit seinen Arbeiten deutlich machen, dass der wahre gesellschaftliche Fortschritt nur in der Menschlichkeit liegen kann, die bei Kindern beginnen muss.

Seine Portraits setzen hoffnungsvolle Zeichen. Sie sind sehr komplex, stark an der Psychologie des Menschenmodells orientiert. Sie öffnen den Blick auf das Individuelle der Abgebildeten. Es entstehen Portraits, die Überraschung und Persönliches offenbaren, aber durchaus auch Widersprüche auslösen können. Die Bildnisse dienen gleichzeitig der Erinnerung an diesen Menschen, an seine Persönlichkeit, und auch an einen bestimmten Augenblick seines Lebens.

AUF AUGENHÖHE

Seit dem frühen Mittelalter haben sich Künstler intensiv mit Kinderportraits beschäftigt. Bis weit in die Moderne hinein ist dieses Sujet Teil der künstleri-schen Auseinandersetzung und zeigt alles, vom verzückten Christuskind über die süßlichen, pausbäckigen Kinderbilder bis zum kleinen Erwachsenen, der keine Kindheit haben durfte. Im Portrait des Kindes lässt sich die Geschichte erkennen. Gleichzeitig stellt sich immer die Frage, wie wir Erwachsenen mit Kindern und Kind-Sein umgehen.

19. August 2009, 17:22 Uhr